Johannes Paul II
Bürgerlich Karol Józef Wojtyłla (geboren 18. Mai 1920 in Wadowice bei Krakau, Polen; † 2. April 2005 in der Vatikanstadt) wurde als polnischer Kardinal nach kirchlicher Zählung zum 264. Papst in der Geschichte der Römisch-Katholischen Kirche gewählt. Sein Pontifikat vom 16. Oktober 1978 bis zum 2. April 2005 prägte nachhaltig sowohl die Endphase des Kalten Krieges als auch die Zeit danach. Johannes Paul II. war der Papst mit der längsten historisch belegbaren Amtszeit nach Pius IX.. Sein Vorgänger war Papst Johannes Paul I., dessen Pontifikat nur 33 Tage dauerte.
Johannes Paul II. griff direkt und indirekt in das weltpolitische Geschehen ein. Bereits die Tatsache, dass mit ihm ein Bürger eines sozialistischen Landes zum Papst erwählt wurde, war ein Politikum.
Er verstand es, durch das Empfangen oder Besuchen von politischen Größen diese - aber auch den Vatikan selbst - aufzuwerten. So war er das erste Staatsoberhaupt, das am 15. September 1982 Jassir Arafat eine Audienz gewährte. Ebenso empfing er am 24. April 1985 dem Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker. Im Januar 1998 erlebte Johannes Paul II. eine triumphale Reise nach Kuba mit einem in seiner Haltung zur Kirche stark gewandelten Fidel Castro.
|
 Karol Wojtyłla
|
In besonderen Fällen äußerte er sich aber auch direkt zur aktuellen Politik. Im Jahr 1999 sprach sich der Papst zum Beispiel gegen den Kosovo-Krieg aus. Gegen den Irakkrieg im Jahr 2003 äußerte er wiederholt und heftig seine Ablehnung.
Johannes Paul II. wird ein großer Einfluss auf der Demokratisierung seines Heimatlandes Polen zugeschrieben. Die offene Parteinahme für die antikommunistische Gewerkschaft Solidarnosc gilt vielen als ein wesentlicher Beitrag zum Ende des Sozialismus in Polen.
Wenig Verständnis zeigte Johannes Paul II. hingegen für die Anliegen des Befreiungstheologen Oscar Romero, Bischof in San Salvador, ermordet am 24. März 1980. Dieser kehrte enttäuscht von einer Papstaudienz aus Rom zurück und kommentierte seine Begegnung mit dem Papst mit den Worten: "Der Papst versteht mich nicht!" Der Papst hatte auf Grund seiner Erfahrungen im kommunistischen Polen die lateinamerikanische Befreiungstheologie wegen ihres Bündnisses mit marxistischen Strömungen abgelehnt.
Krankheit und Tod
Der sich kontinuierlich verschlechternde Gesundheitszustand Johannes Paul II. prägte die letzten Jahre seines Pontifikats. Insbesondere Lähmungserscheinungen und Schwierigkeiten beim Sprechen, hervorgerufen durch die Parkinson-Krankheit, konnten in zunehmendem Maße bei öffentlichen Auftritten beobachtet werden. Des weiteren litt er unter den Folgen des Attentats und angeblich einer schweren Arthritis im rechten Knie als Folge einer Hüftoperation.
|
 Das Wappen Johannes Paul II
|
Dies alles prägte mit der Zeit das Bild eines körperlich angeschlagenen Papstes, obwohl Johannes Paul II. sich anfangs gerade durch seine ungewöhnlich gute körperliche Verfassung auszeichnete. Die zunehmenden Einschränkungen führten schließlich vermehrt zu Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt, eine Möglichkeit, von der in der Geschichte der Römisch-Katholischen Kirche nur selten Gebrauch gemacht wurde. Johannes Paul II. erklärte hierzu, er lege seine Amtszeit in Gottes Hände und lehnte einen Rücktritt hiermit indirekt ab. Diese Überzeugung äußert sich auch in entsprechenden Anmerkungen in seinem Testament.
Anfang 2005 kam es dann aber zu einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes, was zunehmend zu offenen Spekulationen über ein baldiges Ableben des Papstes führte. Am 1. Februar 2005 wurde Johannes Paul II. wegen Kehlkopfentzündung und Atemnot in die Gemelli-Klinik in Rom gebracht. Nachdem er zwischendurch am 10. Februar entlassen werden konnte, musste er aufgrund eines Rückfalls bereits am 24. Februar wieder eingeliefert werden. Am selben Tag wurde ein Luftrhrenschnitt durchgeführt.
Am 13. März 2005 kehrte Johannes Paul II. wieder in den Vatikan zurück, konnte aber erstmals in seiner Amtszeit an den Osterfeierlichkeiten nicht aktiv teilnehmen, sondern zeigte sich den Pilgern am Ostersonntag (27. März) nur stumm am Fenster seines Arbeitszimmers zur Spende des traditionellen Segens Urbi et Orbi. Am 30. März 2005 ließ sich der Papst erneut zum üblichen Mittwochstermin am Fenster seiner Privatgemächer sehen. Er erlitt einen Hustenanfall und hatte sichtlich Schmerzen. Zugleich gab der Vatikan bekannt, dass der Papst über eine Magensonde ernährt werde. Es war der letzte öffentliche Auftritt des Papstes.
Am 31. März 2005 verschlechterte sich dann der Gesundheitszustand erneut, und dem Papst wurde die Krankensalbung gespendet. Nach Angaben des Vatikans hatte er nach einer Harnwegsinfektion einen septischen Schock und einen Herzkreislaufkollaps erlitten; er sei jedoch heiter gewesen und habe am Morgen des 1. April die Eucharistie gefeiert.
Im Alter von 84 Jahren verstarb Papst Johannes Paul II. am Abend des 2. April 2005 um 21:37 MESZ in seinen Privaträumen im Vatikan. Einen erneuten Krankenhausaufenthalt und intensivmedizinische Behandlung hatte er selbst abgelehnt.
Zuvor hatte er nacheinander seine engsten Mitarbeiter empfangen. Eines seiner letzten Worte richtete er schriftlich an die ihn umsorgenden Nonnen und Priester seiner polnischen Heimat: „Ich bin froh, seid Ihr es auch!“.
Beisetzung
Der Tod von Johannes Paul II. wurde von der katholischen Kirche und der Weltöffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit bedacht.
Begleitet von intensiver Berichterstattung kam es zunächst zu Versammlungen in vielen größeren Metropolen und anschließend zu einer Pilgerbewegung nach Rom, wo am Abend des 4. April der Leichnam aufgebahrt wurde. Bereits während des ersten Tages erwiesen eine halbe Million Menschen dem verstorbenen Papst die letzte Ehre.
Zur Totenmesse am 8. April 2005 auf dem Petersplatz waren 3,5 Millionen Pilger nach Rom gekommen; viele davon aus seiner polnischen Heimat. 200 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt sowie hohe geistliche Vertreter verschiedener Religionen (u.a. der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus I., der Metropolit von Smolensk und Kaliningrad als Vertreter des Außenamtes der Russisch-Orthodoxen Kirche sowie der Papst der Koptischen Kirche) wohnten der Zeremonie bei. Die Totenmesse wurde vom Dekan des Kardinalskollegiums, dem deutschen Kardinal Joseph Ratzinger, geleitet, der durch das Konklave wenige Tage später zum Nachfolger Johannes Paul II. gewählt wurde (Benedikt XVI.). In seiner Predigt würdigte er das Leben und das Pontifikat von Karol Wojtyłla. Die Messe und das Heraustragen des Sarges wurde vom Beifall der angereisten Pilger begleitet. Sprechchöre und Spruchbänder zahlreicher Pilger forderten die sofortige Heiligsprechung Johannes Pauls II.
Das Grab von Papst Johannes Paul II.
Johannes Paul II. wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Papstgruft des Petersdoms an der Stelle beigesetzt, die bis zu dessen Umbettung 2001 Grabstätte ’Johannes XXIII. gewesen war. Vor und nach dem Tod Johannes Pauls II. hatte es Gerüchte gegeben, der Papst wolle in seiner polnischen Heimat beigesetzt werden. Auch über die Überführung seines Herzens nach Polen wurde spekuliert. Die Entscheidung darüber überließ er jedoch testamentarisch dem Kardinalskollegium, welches sich gegen die beiden Optionen entschied.
Es war eine der größten Beisetzungszeremonien in der Geschichte des Christentums.
|